Warum Politik auch für dich eine Rolle spielt
Vielleicht wirkt Politik auf den ersten Blick kompliziert, abstrakt oder sogar langweilig. Dabei hat sie sehr viel mit deinem Alltag zu tun – auch dann, wenn du noch jung bist. Um dir das zu verdeutlichen, hier ein paar Beispiele:
In der Schweiz wurde 2025 «Ja» zur Einführung einer E-ID gesagt. Das bedeutet, dass du dich in Zukunft digital ausweisen kannst. Neben Twint oder dem SwissPass könntest du beispielsweise auch deine ID auf dem Handy zeigen. Auch online wird es einfacher, dein Alter zu bestätigen.
Ebenfalls «Ja» gesagt hat das Volk zur Ehe für alle. Seitdem dürfen gleichgeschlechtliche Paare in der Schweiz heiraten und gemeinsam Kinder adoptieren.
Auch das Thema Ferien betrifft uns direkt: 2011 wurde darüber abgestimmt, ob alle Arbeitnehmenden neu sechs Wochen Ferien erhalten sollen. Diese Vorlage wurde damals abgelehnt. Heute ist das Thema aber wieder aktuell. Eine Petition der Gewerkschaft UNIA fordert beispielsweise acht Wochen Ferien pro Jahr für Lernende.
Solche und viele weitere Entscheide zeigen: Politik beeinflusst dein Leben – heute und in Zukunft.
Wie kann ich aktiv werden?
Du bist schon 18 Jahre alt?
Dann stehen dir alle Türen offen. Der erste und einfachste Schritt ist, bei Abstimmungen und Wahlen teilzunehmen. Damit du auch verstehst, worüber entschieden wird, bieten easyvote (https://www.easyvote.ch/) oder der Bund (https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/abstimmungen.html) einfache Erklärungen und Videos zu den Themen an.
Zudem kannst du dich einer Partei anschliessen oder dich selbst für eine Wahl aufstellen lassen.
Du bist noch nicht 18 Jahre alt?
Auch unter 18 Jahren hast du Möglichkeiten, politisch aktiv zu werden.
Eine Möglichkeit sind Jungparteien. Dort kannst du an politischen Diskussionen teilnehmen, dich politisch weiterbilden, eigene Ideen einbringen oder neue Leute kennenlernen. Jungparteien nehmen auch Einfluss auf die Politik, zum Beispiel indem sie Initiativen oder Referenden starten, politische Ämter übernehmen oder durch Petitionen, Demonstrationen und Kampagnen auf Themen aufmerksam machen.
Folgende Jungparteien gibt es:
JUSO (https://thun-beo.juso.ch)
Junge Grüne (https://jungegruene.ch)
Junge EVP (https://www.jevp.ch)
Junge Mitte (https://diejungemitte.ch)
Jungfreisinnige (https://jungfreisinnige.ch)
Junge SVP (https://jsvp.ch)
Junge EDU (https://jedu.ch)
Jugendparlamente
Wenn du dich nicht mit einer bestimmten Partei identifizieren kannst, gibt es auch die Möglichkeit, Teil eines Jugendparlamentes (Jupa) zu werden.
In Jugendparlamenten setzen sich Jugendliche gemeinsam mit politischen Themen auseinander. Dabei wird besonders auf eine demokratische Diskussionskultur geachtet, da oft viele unterschiedliche Meinungen aufeinandertreffen.
Jugendparlamente gibt es auf Gemeinde-, Regional- und Kantonsebene. Sie setzen sich für die Anliegen junger Menschen in Politik und Gesellschaft ein. Ideen und Vorschläge werden oft an Politikerinnen und Politiker weitergegeben. Zudem organisieren Jugendparlamente eigene Projekte mit jungen Menschen.
Weitere Informationen findest du beim Dachverband der Schweizer Jugendparlamente:
Jugendsession
Eine weitere Möglichkeit, aktiv zu werden, sind Jugendsessionen, die einmal jährlich auf nationaler und teilweise auch auf kantonaler Ebene stattfinden.
Die nationale Jugendsession findet während vier Tagen in Bern statt. Rund 200 Jugendliche aus der ganzen Schweiz nehmen daran teil. Herkunft oder Sprache spielen dabei keine Rolle – teilnehmen können alle Jugendlichen zwischen 14 und 21 Jahren.
Während dieser vier Tage werden zu verschiedenen Themen Forderungen erarbeitet, die am Ende dem Parlament übergeben werden. Hier spricht die Jugend – und die Erwachsenen hören zu.
Weitere Infos findest du unter:
Politische Begriffe und ihre Bedeutung
Direkte Demokratie
In der Schweiz wählen wir nicht nur Politikerinnen und Politiker, sondern können auch direkt über Verfassungs- oder Gesetzesänderungen abstimmen.
Föderalismus
Die politischen Aufgaben werden in der Schweiz auf drei Ebenen aufgeteilt: Bund, Kantone und Gemeinden. Jede Ebene hat eigene Zuständigkeiten. Zum Beispiel wird das Schulwesen kantonal geregelt, während das Militär Sache des Bundes ist.
Gewaltenteilung
Die staatliche Macht wird auf drei Bereiche aufgeteilt: Legislative, Exekutive und Judikative. Diese drei Gewalten kontrollieren sich gegenseitig, damit Machtmissbrauch erschwert wird.
Legislative
Die Legislative ist das Parlament. Auf nationaler Ebene sind das der Nationalrat und der Ständerat. Die Aufgabe des Parlaments ist es, Gesetze zu erlassen. Das Parlament wird vom Volk gewählt.
Exekutive
Die Exekutive setzt die Gesetze um und leitet die Verwaltung. Auf nationaler Ebene ist dies der Bundesrat. Er wird von National- und Ständerat gewählt. Auf kantonaler Ebene spricht man häufig von Regierungsrätinnen und Regierungsräten.
Judikative
Die Judikative ist die rechtsprechende Gewalt, also die Gerichte. Sie sorgen dafür, dass Gesetze korrekt angewendet werden und entscheiden bei Rechtsstreitigkeiten.
Initiative
Mit einer Initiative kann die Bundesverfassung geändert werden. Dafür müssen auf nationaler Ebene 100 000 Unterschriften gesammelt werden, damit das Volk darüber abstimmen kann.
Referendum
Wenn das Parlament ein neues Gesetz verabschiedet hat, können Bürgerinnen und Bürger innerhalb von 100 Tagen ein Referendum ergreifen. Dafür müssen auf nationaler Ebene 50 000 Unterschriften gesammelt werden. Danach entscheidet das Volk darüber.
Radikalisierung und Extremismus – was ist das?
Extremismus bedeutet, dass Menschen sehr starke politische Überzeugungen haben und glauben, dass nur ihre eigene Meinung richtig ist und alle anderen falsch liegen. Dadurch können demokratische Werte wie Freiheit, Gleichberechtigung und Respekt gegenüber anderen Menschen gefährdet werden.
Im Vergleich dazu spricht man von Fundamentalismus, wenn vor allem religiöse Überzeugungen im Zentrum stehen.
Extremismus kann unterschiedliche Formen annehmen. Er kann bei kleinen Stickern an einer Strassenlaterne beginnen, sich in Videos oder Nachrichten mit menschenfeindlichen Inhalten zeigen und im schlimmsten Fall in Gewalt enden. Häufig richtet sich Extremismus gegen Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Ethnie, Hautfarbe, Religion oder Lebensweise.
Radikalisierung ist der Prozess, bei dem jemand solche extremen Ideen zunehmend übernimmt und unterstützt. Das geschieht meist schrittweise und oft über längere Zeit. Häufig spielt das Internet dabei eine grosse Rolle, weil extremistische Gruppen dort ihre Ideen schnell verbreiten und Gleichgesinnte finden können.
Wenn du in deinem Umfeld bemerkst, dass sich jemand radikalisiert, kannst du dich an die Fachstelle Radikalisierung und Gewaltprävention der Stadt Bern wenden oder direkt an die Kantonspolizei Bern.
Weitere Informationen:
https://www.bern.ch/politik-und-verwaltung/stadtverwaltung/sue/amt-fur-erwachsenen-und-kindesschutz/fachstelle-radikalisierung-und-gewaltpraevention
